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Wie wird es nach Corona sein?

Meinungsaustausch zwischen Travel- und Eventmanagern

Das Prüfinstitut Certified setzt als Prüferinnen und Prüfer erfahrene Profis aus dem Travel- und Eventmanagement ein. Im regelmäßigen Turnus tauschen sich diese über aktuelle Themen aus, diesmal über die brennende Frage, wie sich Home Office, Geschäftsreisen und Veranstaltungen nach der Corona Pandemie entwickeln werden. Auszugsweise geben wir einige Thesen aus einem anderthalbstündigen Roundtable-Talk wieder.

Vereinsamung durch Home Office

Durch ein Defizit an sozialen Kontakten fühlen sich manche Mitarbeiter zunehmend allein, frustriert und antriebslos. Der Plausch mit Kollegen beim Kaffee oder der gemeinsamen Zigarette fehlt, Informationen werden häufig auf der Sachebene geteilt, der zwischenmenschliche Austausch kommt zu kurz.

Bei einigen Kollegen wird scheinbar die Sinnfrage gestellt: Mache ich noch den richtigen Job? Sollte ich mir nicht vielleicht eine anspruchsvollere und erfüllendere Aufgabe suchen?

Andererseits gibt es auch positive Effekte der Arbeit im Home Office. Durch wegfallende Fahrten ins Büro wird nicht nur die Umwelt geschont, man spart Zeit und kann daher den Arbeitstag stressfreier gestalten. Dieser Vorteil wird allerdings bei Eltern durch das Homeschooling aufgehoben, da hier neue und intensive Anforderungen an das Nervenkostüm der Erwachsenen gestellt werden.

Sehr wahrscheinlich wird sich aber die Arbeitswelt verändern. Firmen, die bisher dachten, nur bei persönlicher Anwesenheit Aller könnten gute Arbeitsergebnisse erbracht werden, lernen, dass auch bei neuen Bedingungen brauchbare, vielleicht sogar bessere Resultate entstehen. So wird allenthalben vermutet, dass auch nach Corona ein Mix aus Präsenz- und Home Office erfolgen wird, nur 2-3 Tage im Büro und der Rest von zu Hause.

Das führt zu einem Überfluss von firmeneigenen Büroflächen, die vermutlich bald aufgegeben werden. Erste Tendenzen zur Aufgabe von Mietbereichen sind erkennbar. Es spricht aber anderseits für Coworking Spaces von Anbietern wie Design Office, die quasi in allen relevanten Städten bereits verfügbar sind und bestens ausgestattet sind: mit schnellem Internet, mit kreativen Raumkonzepten, mit moderner Infrastruktur. Für Firmen sind solche Angebote flexibel und stellen keine langfristige Bindung dar.

Geschäftsreise adé

Zumindest im althergebrachten Sinne. 0815-Reisen werden unter dem Rotstift-Diktat durchgeführt werden. In der letzten Zeit sind Geschäftsreisen eher als Belastung, denn als Vergnügen wahrgenommen worden. Terminstress, Hektik und volle Verkehrsmittel – und das für wenige Stunden effektiver Termine. Mittlerweile sind Web-Meetings via Teams, Zoom und Webex an der Tagesordnung und siehe da: es funktioniert! Die Kosten und der persönliche Aufwand sinken gegen null. Na klar, nicht jedes persönliche Treffen wird nun über eine digitale Variante abgehalten werden, aber zumindest ein Viertel bis ein Drittel, so die einhellige Meinung. Wenn ein Firmencontrolling erst mal spitzgekriegt hat, wie sehr sich Reisekosten einsparen lassen, so wird man kaum wieder die Budgets aufstocken.

Eine konträre Position im Gespräch war, dass Geschäftsreisen künftig bewusster geplant und genehmigt werden und daher sogar etwas „luxuriöser“ ausfallen. Es wird ein Privileg sein, zu reisen und da achtet man mehr auf Qualität.

Die neue Meeting-Kultur

Oh ja, es dürstet alle nach persönlichen Treffen. Auch Meetings und Konferenzen mit mehreren Teilnehmern lassen sich digital abhalten, mal mit besserem, mal mit schlechterem Ergebnis. Das Internet ist in Deutschland noch ein Nadelöhr. Trotz aller positiven Seiten wird aber allenthalben das Bier an der Bar, das persönliche Gespräch, die Kreativität und das Zusammengehörigkeitsgefühl vermisst.

Frontalunterricht im Sinne von Wissensvermittlung kann wunderbar digital erfolgen. Sogar besser, da individueller nach verfügbarer Zeit zu steuern. Hier haben nahezu alle Anbieter tolle und pfiffige Angebote entwickelt.

Rahmen und Inhalte von Meetings werden sich ändern. „Standardmeetings“ werden zunehmend digital abgehalten werden, wenn man sich persönlich trifft, dann „muss es sich lohnen“.

Welche Meetings wird es denn noch geben? Strategie- und Kreativmeetings, Zusammenführen von Abteilungen und Unternehmen, Teambuildingmaßnahmen. Was es dazu braucht? Gemütliche ansprechend dekorierte Räume mit Privatsphäre, Esprit und Flair. Kein normaler Tagungsraum mehr!

Gefordert ist eine Umgebung, in der neue und freie Gedanken entstehen können, kreative Prozesse angeregt werden. Individualität und Persönlichkeit werden im Vordergrund stehen.

Was wird nach einigen Wochen oder Monaten von einem Meeting erinnert? Der Inhalt? Weit gefehlt. Das Rahmenprogramm oder der Rahmen, in dem das Meeting stattfand!

Kongresse oder Konferenzen werden vermutlich sehr häufig als hybride Veranstaltung durchgeführt werden. Vielleicht 10 bis 50 Personen sind dann noch vor Ort, vielleicht gibt es 5 oder 10 Satelliten, an denen sich ebenfalls 10 bis 50 Personen treffen und die digital miteinander verbunden sind. Weitere Teilnehmer schalten sich von ihrem Büro oder Home Office zu. Was braucht es dazu? Eine moderne und leistungsfähige Technik eines Studios, also mit guter Licht-, Ton-, Bildtechnik und leistungsstarkem stabilen Internet. Das wird das neue „must have“ von Tagungshotels und Locations sein. Gefragt werden mehr denn je fachkundige, kreative Mitarbeiter sein, die die vorhandene Technik beherrschen und bedienen können, die spontan und zeitunabhängig auf sich verändernde Situationen vor Ort reagieren können und mit innovativen Ideen dem ideellen Freiheitsdrang der Kunden gerecht werden, denn der Kunde erwartet (nicht nur) einen Problemlöser vor Ort.

Gefragt werden mehr denn je fachkundige Mitarbeiter sein, die die vorhandene Technik beherrschen und bedienen kann, denn der Kunde erwartet einen Problemlöser vor Ort.

Wie sieht es mit der Zukunft der Hotels aus?

Hotels, die einen „behüteten Freiheitsdrang“ bedienen können, werden gewinnen: keine starren Essenszeiten mehr, gemütliche Individualität in der Ausstattung und echte authentische Typen als Mitarbeiter. Das klingt eigentlich als Abgesang auf ein genormtes Mainstreamangebot einiger Ketten…

Klappe zu, Affe tot?

Nicht gar so pessimistisch! Zum einen sind digitale Eventlösungen nicht unbedingt günstiger, mitunter sogar aufgrund anderer Choreografie und technischer Raffinessen teurer als Präsenzveranstaltungen. Und bei diversen Firmen herrscht eine Stimmung vor, dass man sich unbedingt wieder persönlich treffen wolle und man den digitalen Quatsch leid ist. Die Glaskugel setzt noch eins drauf: viele Messen in 2020 und 2021 sind abgesagt, so dass ein Nachfrageboom in 2022 entstehen dürfte!

 

  

Das Gespräch führten Kerstin Pickny (EY), Cornelia Schlick (HelmsBriscoe) und Holger Leisewitz (vorm. Beiersdorf) – bruchstückhaft und pointiert aufgezeichnet von Till Runte.

 

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