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Jörg T. Böckeler und Bettina Schütt von Dorint zum Thema Nachhaltigkeit

Jörg T. Böckeler wird neuer Sprecher der Geschäftsführung von Dorint und Bettina Schütt wechselt als Direktorin des Potsdamer Hauses als Chief Operation Officer (COO) nach Köln. Noch bevor diese Personalie Anfang November bekannt wurde, haben wir mit beiden ein Interview zum Thema Nachhaltigkeit geführt.

  


Die Dorint Hotels fokussieren das Thema Nachhaltigkeit. Warum gerade jetzt?

Jörg T. Böckeler: „Das beantworte ich gern mit einem Zitat meiner Kölner Lieblingsband „Höhner“: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“. Nachhaltigkeit ist doch kein Thema mehr, das wir als Gesellschaft, oder als Firma nicht mehr aufschieben könnten. Wir müssen JETZT handeln und das machen wir als Dorint Hotelgruppe sehr konsequent. Für uns hat das Thema absolute Priorität.“

 

Ist das Thema Neuland für Sie oder gab es schon früher entsprechende Maßnahmen?

Bettina Schütt: „Für mich ist Nachhaltigkeit bereits seit Anfang der 2000er Jahre ein Thema. Ich erinnere mich oft an die Rede von Al Gore, in der er aufgezeigt hat, dass es die Niederlande irgendwann nicht mehr geben könnte. Das macht doch nachdenklich. Nachhaltig denken und leben kann daher nur unser aller Ziel sein. Das sind wir schon unseren Kindern schuldig. Ich habe bereits durch einen früheren Arbeitgeber in Skandinavien viel über Nachhaltigkeit gelernt. Scandic war einer der Vorreiter auf dem Gebiet.“

 

Sie sind Mitglied in der „Sustainable Hospitality Alliance“. Wer verbirgt sich dahinter und was sind die Ziele?

Böckeler: „Die SHA ist ein Network engagierter Hotels und Hotelgruppen, großer und kleiner Partner. Was sie alle gemeinsam haben, ist die Vision, dass die Hospitality-Branche auf globaler Ebene und jedes Hotel vor Ort ein Zeichen von Verantwortung und für Nachhaltigkeit setzen kann, ja muss.

Die vier Bereiche in denen sich die SHA engagiert, sind sehr präzise definiert: Die SHA setzt sich für den Schutz und die Verteidigung von Menschenrechten in unserer Branche ein. Die Mitglieder treten gegen Jugendarbeitslosigkeit ein, besonders in den Bereichen, in denen Armut und Ausbeutung drohen. Die SHA engagiert sich aktiv für Klimaschutz und die Mitglieder arbeiten daran den CO2-Footprint in den Unternehmen zu reduzieren. Der vierte Punkt ist Gewässerschutz, eben die Verfügbarkeit von sauberem Wasser sicherzustellen. Diese Ziele sind nicht zufällig gewählt, sondern betreffen uns unmittelbar, deshalb ist es so wichtig, dass wir hier einen echten Beitrag leisten.“

 

Warum lassen Sie sich mit Ihren Hotels zertifizieren, sie könnten doch auch nur Maßnahmen definieren und umsetzen?

Böckeler: „Wir wollen unsere Ziele und Maßnahmen transparent darlegen und die Verpflichtungen, die daraus erwachsen, nachvollziehbar machen. Wir wollen dabei durchaus auch den Druck spüren, den eine externe Zertifizierung mit sich bringt. Damit dokumentieren wir gegenüber allen Stakeholdern, dass es uns ernst ist, und wir kein „Greenwashing“ betreiben.“

 

Warum haben Sie sich für Certified als Prüfinstitut entschieden?

Böckeler: „Bei der Auswahl eines Zertifizierungssystems ist es wichtig, dass die Kriterien klar dokumentiert sind und in den Häusern unabhängig geprüft wird. Wir wollen auf keinen Fall ein Gefälligkeitszertifikat, sondern den offiziellen Branchenstandard. Das ist bei Certified gegeben.“

 

Haben Sie sich im Vorfeld auch andere Zertifizierungssysteme angesehen und was hat Sie dann von „Certified Green Hotel“ überzeugt?

Böckeler: „Wir haben natürlich verschiedene Anbieter geprüft und verglichen. Schließlich wollen wir eine kontinuierliche Partnerschaft. Dafür muss man genau überlegen, mit wem man eine Kooperation eingeht. Die Kriterien, die an ein Certified Green Hotel gelegt werden, decken sich gut mit den Zielen der Sustainable Hospitality Alliance und passen deshalb perfekt für unseren Konzern.  Wir haben viele Keyaccounts, die uns gezielt darauf hingewiesen haben, dass sie zukünftig ein Certified Green Hotel bevorzugen werden, weil das ihren eigenen Überlegungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit entspricht.“

 

Frau Schütt, Sie haben kürzlich die Prüfung erfolgreich absolviert. Wie empfinden Sie den Aufbau der Kriterien, sind diese für Sie nachvollziehbar?

Schütt: „Der Aufbau der Kriterien ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut. Diese betreffen jegliche Punkte die wir im Hotel beeinflussen können, um in den Bereichen Soziales, Wirtschaft und Umwelt noch nachhaltiger arbeiten zu können.“

 

Und wieviel Zeit kostete es Sie, die Prüfung vorzubereiten?

Schütt: „Mein Team und ich haben insgesamt ca. 40 Stunden benötigt, die auf die unterschiedlichen Abteilungen verteilt waren, u.a. an Housekeeping und F&B. Es hat uns übrigens geholfen, dass wir uns in den Jahren vor der Pandemie schon intensiv mit Umweltaktivitäten auseinandergesetzt haben und gemeinsam Maßnahmen zur Einsparung von Energie, Müll und Plastik entwickelt haben.“

 

Haben Sie durch die Prüfung schon einen Nutzen gezogen, haben Sie neue Impulse erhalten oder Erkenntnisse gewonnen?  

Schütt: „Auf jeden Fall haben wir alle Teams noch mehr auf das Thema Nachhaltigkeit einstellen können. Es war für uns gemeinsam eine gute Übung, die wir erfolgreich gemeistert haben. Jetzt beginnen wir damit, unsere Gäste und Nachbarn in unsere Umwelt-Projekte zu integrieren. In Kürze werden wir dann regelmäßige Green Meetings abhalten und viele Themen im Bereich Nachhaltigkeit verfolgen. Wir haben festgestellt, dass wir schon viele Maßnahmen umsetzen, aber bisher noch gar nicht darüber gesprochen haben. Das werden wir nun in jedem Fall ändern...“

 

Gibt es jemanden aus Ihrem Hotelteam, der sich bei diesem Thema nun besonders aktiv einbringt oder engagiert?

Schütt: „Ja, unser Küchenchef. Er ist auf die Frische und Qualität der Speisen bedacht und achtet darauf, ausschließlich regionale und saisonale Produkte für seine Speisen zu verwenden. Er kocht z.B. die Marmelade fürs Frühstück selbst. In der letzten Zeit hat er viele regionale Lieferanten ausgesucht und geprüft, mit denen wir nun zusammenarbeiten. „

 

Bei einer Hotelkette wie Dorint – inwieweit können denn die Häuser individuelle Maßnahmen ergreifen, wie frei sind sie in ihrer Kreativität und bekommen sie Möglichkeiten, sich regional mit „guten“ Produkten zu versorgen?

Böckeler: „Natürlich arbeiten wir im Einkauf mit zentralen Vorgaben, aber in der letzten Zeit haben wir einen immer weiter steigenden Prozentsatz definiert, den die Hotels vor Ort individuell einkaufen können. Die Versorgung mit regionalen Produkten ist unseren Gästen und damit auch uns sehr wichtig.   

Ein Aspekt ist, dass wir den Hoteldirektoren und den #HotelHelden genügend Raum geben, selbst Initiativen zu zeigen. In unserem Leitfaden, der unsere Unternehmenskultur beschreibt, ist das ganz bewusst verankert.  Nachhaltigkeit soll kein Thema sein, das nur von oben angeordnet wird, sondern ein Thema, bei dem sich viele unserer Mitarbeiter gern engagieren. So entstehen bei uns immer mehr lokale Projekte, die unsere SHA-Ziele unterstützen.“

 

Wie stellen Sie sicher, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein aktueller Marketing-Aspekt bleibt, sondern auch von Ihren Mitarbeitenden gelebt und unterstützt wird?

Schütt: „Wir thematisieren die Nachhaltigkeit in allen unseren Meetings! Außerdem bilden wir Green Teams in jedem Haus, die das Thema konsequent verfolgen.“

 

Frau Schütt, Sie leiten den internen Nachhaltigkeits-Arbeitskreis bei Dorint. Wie möchten Sie die Herausforderung meistern, möglichst alle Direktorinnen und Direktoren von „Green“ zu überzeugen?

Schütt: „Mit der Unterstützung von der Geschäftsleitung, der ich künftig angehören werde und in enger Zusammenarbeit mit meinen Direktoren-Kollegen der anderen Regionen haben wir schon sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet. Wir sprechen das Thema Nachhaltigkeit bewusst häufig an und stellen so sicher, dass es nicht nur ein Marketing-Aufhänger ist.

Gerade haben wir unsere Green engaged-Intranet Seite fertig gestellt, auf der ganz leicht viele Informationen zu finden sind. Inzwischen stellen mir auch mehr und mehr Kollegen Fragen zu dem Thema, das uns einfach alle angeht!“

 

Dorint zeichnet sich ja durch einen seriösen und klassischen Auftritt aus. Das Thema Nachhaltigkeit ist aber mitunter negativ belegt, wird verbunden mit Komforteinbußen oder Verzicht. Wie wollen Sie die Gäste auf die Reise mitnehmen, oder sie im besten Falle mit involvieren?

Böckeler: „Da muss ich Ihnen widersprechen. Nachhaltigkeit bedeutet weder Komforteinbuße noch Verzicht im negativen Sinne. Es bedeutet einen sinnvollen und schonenden Umgang mit Ressourcen und damit mit unserer Umwelt. Natürlich verzichten wir auf Produkte, die klimaschädlich sind, oder keinerlei Rücksicht auf Menschen und Tier nehmen. Das wird von den meisten Gästen positiv empfunden. Wir wissen aus unserer Marktforschung, dass unser Vorgehen eindeutig dem Lebensstil und den Erwartungen unserer Gäste entspricht.  Sie nennen es einen „seriösen und klassischen Auftritt“, ich sage, wir sind gern ein verantwortungsvoller Gastgeber. Wir müssen auch niemand auf eine Reise mitnehmen, die er nicht möchte...“

 

Eine Frage an Sie beide: Nachhaltigkeit hat ja per se etwas mit Veränderung, Anpassung und Weiterentwicklung zu tun. Gibt es ein konkretes Nachhaltigkeitsziel für 2022? Und wie nachhaltig will Dorint 2025 sein?

Schütt: „Wir denken, dass bis Ende 2022 alle Dorint Hotels & Resorts zertifiziert sind und deswegen sehr viel nachhaltiger arbeiten können. Wir haben ferner geplant, bis 2025 in allen unseren Häusern die Elektrizität auf klimaneutral umgestellt zu haben, um so den CO2 Abdruck pro Hotel erheblich senken zu können.“

Böckeler: „Weiterentwicklung und Veränderung sind unser tägliches Brot. Da wir eine der dynamischsten Hotelgruppen in Deutschland sind, denken wir zukunftsorientiert. Logisch also, dass wir uns auch beim Thema Nachhaltigkeit engagieren - als Teil unserer Werte, unserer Verantwortung, kurz unserer Unternehmenskultur.“

 

Herr Böckeler, Frau Schütt, wir danken Ihnen für das Gespräch!


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