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CERTIFIED hat im Rahmen der neuen Reihe „Hotelier des Monats“ mit Hannes-Alexander Gerung-Schaden, Direktor des zum BASF-Konzern gehörenden Hotel René Bohn in Ludwigshafen, über Fachliches und Privates gesprochen.

  

 

 

Was hat Sie in der Pandemie bisher am meisten geärgert und gab es auch positive Erlebnisse?

Geärgert hat mich wohl am meisten, dass wir bei der ersten Welle komplett überrollt wurden und wir keine Konzepte parat hatten. Wir mussten die 25 Azubis ins Homeoffice stecken und das Hotel war nahezu verwaist. Ein positives Erlebnis war der Zusammenhalt im Team. Es war unglaublich, welcher Spirit in jedem erkennbar war. Obwohl wir immer wie eine Familie zusammen helfen war diese Erfahrung nochmals einzigartig!

 

In Ludwigshafen und Mannheim ändert sich der Hotelmarkt. Neue Projekte mit mehreren Hundert Hotelzimmern sollen hinzu kommen. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe in den 20 Jahren im René Bohn viele Mitbewerber kommen und gehen gesehen. In Ludwigshafen ist der Hotelmarkt noch immer sehr überschaubar. Die Gäste, die im René Bohn übernachten buchen uns nicht nur wegen der Nähe zur BASF, sondern auch wegen dem einzigartigen René Bohn Service. Ein Hotel in dieser Klasse findet man auch über dem Rhein nicht. Mein ehemaliger Chef hat einmal gesagt, den 5. Stern im René Bohn ersetzen die Mitarbeiter. Darauf bauen wir und wissen, dass wir damit bei den anspruchsvollen Reisenden punkten können. Wer genießt es nicht sich abends ins extra vorbereite Bett zu legen und eine kleine süße Überraschung wartet, während die Pantoffeln schon vor dem Bett stehen. Diesen Service gibt es heute nur mehr selten. Und den bieten wir. 

 

Sie haben Ihr Haus zertifizieren lassen. Was hat Sie dazu bewogen und welche Impulse hat das Prüfungs-Procedere insgesamt für Ihr internes Qualitätsmanagement ausgelöst?

Ich bin seit vielen Jahren in großer Fan von Certified. Hier findet der Hotelier eine tolle Plattform sich zu vermarkten und der Kunde ein wirklich zertifiziertes Angebot. Seit der Neu-Ausrichtung durch Till Runte hat Certified in meinen Augen nochmals deutlich zugelegt. Qualität war in unserem Hause immer schon die wohl wichtigste Augabe. Mit Certified sieht man aber die Bedürfnisse des Business Gastes nochmals mit anderen Augen.

 

Wo liegen aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren die größten Herausforderungenfür privat geführte Business- & Tagungshotels?

Die liegt wohl darin nach der Pandemie richtige Konzepte zu haben. Uns ist es schon vor der zweiten Welle gelungen von einem Tag auf den anderen vom Business- zum Ferienhotel zu mutieren. Das war ein großer Akt im ersten Schritt, hatten wir bis dahin 95 % Business Gäste. Ich denke künftig werden Hotels mit guten Hygiene Konzepten punkten. Der Preiskampf wird viele Mitbewerber vom Markt drängen. Letztendlich werden Preis und Qualität eine Symbiose bilden und die anspruchsvollen Kunden von den Low Budget Kunden unterscheiden.

 

Die Buchungs-Schlacht auf den Portalen ist häufig bereits entschieden, ehe Sie vor Ort mit Ihren Stärken am Gast punkten können…

Die Geister, die ich rief, fällt mir dazu nur ein. Wir haben alles auf die digitale Welt gesetzt und sind weg davon den Kunden einzufangen und ihn ans Hotel zu binden. Ein Anruf, eine Mail scheint heute vielen Gästen zu aufwendig. Lieber buche ich in Booking oder HRS. Ein für mich absolut falscher Weg. Wir versuchen nach wie vor Neukunden zu gewinnen, direkt bei uns zu buchen. Stammgäste rufen uns gerne an und freuen sich immer eine vertraute Stimme zu hören. Dabei achten wir sehr darauf, dass unsere Gäste ihre bevorzugten Zimmer erhalten und Gewohnheiten wie z.b. der Milchkaffee um 8 Uhr aufs Zimmer serviert, auch gelebt wird. Wir führen eine Liste mit den lieb gewonnenen Wünschen der Gäste und bieten diese an, bevor der Gast den Wunsch ausgesprochen hat. Da können wir gerne auf booking verzichten. 

 

Wie sieht das Hotel der Zukunft aus?

Das Hotel der Zukunft sieht für mich so aus: Ich bin davon überzeugt, dass es künftig zwei Arten von Hotels geben wird: Low Budget und Luxusklasse. Dazwischen wird es meiner Meinung nach nicht viel geben. Die Firmen versuchen Übernachtungen für unter 100 Euro zu bekommen. Da ist eine Servicequalität nicht zu erwarten. Am Check In ein Automat und das Frühstück aus dem Kühlschrank mit Zahlung per Kreditkarte. Das ist nicht die Hotellerie die ich kenne und will. Ich setze wie viele meiner Kollegen auf den hohen Anspruch des Gastes. Damit werden wir punkten und das René Bohn am Leben erhalten.

 

Wo sehen sie echte Notwendigkeiten und wo würden Sie zunächst eher abwarten, bzw. sehen Sie manchen vermeintlichen Trend auch eher kritisch?

Viele Kollegen versuchen gerade Kosten zu sparen. Das ist klar und verständlich. Kosten sparen darf aber nicht darin münden, dass der Mitarbeiter im Hotel verschwindet. Die gute Seele eines jeden guten Hotels ist der Mitarbeiter. Dieser Trend muss verhindert werden. Gleiches gilt für Serviceleistungen. Immer mehr wird eingespart. Keine Minibar, kein Room Service, kein Turn Down Service etc. Warum soll ich dann überhaupt im Hotel übernachten? Wenn alles so ist wie zu Hause. Am besten noch das Bett morgens selber machen und Abfalleimer leeren, um Geld zu sparen?

 

Was tun Sie im Personalbereich, um als Arbeitgeber in Zeiten akuten Fachkräftemangels attraktiv zu bleiben?

Wir haben seit Jahren immer wieder ausreichend Bewerber für unsere Ausbildung. Das hat einmal damit zu tun, dass wir extrem viel Zeit in die Ausbildung investieren und natürlich das René Bohn und die BASF ein attraktiver Arbeitgeber ist. Wir sind seit vielen Jahren beim C&C Cup und bei der DEHOGA Jugendmeisterschaft immer am Siegertreppchen und haben schon zahlreiche Kandidaten bei der Deutschen Meisterschaft gestellt So etwas bleibt nicht unbemerkt. Außerdem haben alle unsere Mitarbeiter eine wichtige Aufgabe im Hause. Sie sind Botschafter des besten Business Hotels Deutschlands. Außerdem halten wir uns an alle gesetzlichen Vorgaben. Ein Ausbeuten von Mitarbeitern gibt es bei uns nicht. 

 

Wie gehen Sie mit dem Thema Kurzarbeit und Motivation der Mitarbeitenden in der COVID-19 Krise um?

Auch wir hatten schon mal mit Kurzarbeit zu tun. Hier ist aber die BASF bemüht die Mitarbeiter nicht im Regen stehen zu lassen. Wir bleiben auch während der Kurzarbeit mit den Mitarbeitern in Kontakt und holen sie in regelmäßigen Abständen per WebEx ab, um über alles Neue zu informieren und sie auf dem Laufenden zu halten. Gott sei Dank haben wir seit ein paar Monaten keinen Grund zu klagen und haben ein volles Haus.

 

Welche Rolle spielt personelle Kontinuität für Sie beim Erfolg eines Hotels im Markt?

Personelle Kontinuität ist das A und O eines guten Hotels. Ich habe alle Schlüsselpositionen mit festen und unbefristeten Mitarbeitern besetzt. Frisches Blut tut aber einem Hotel ebenfalls gut. Deshalb wechseln wir gewisse Positionen am Empfang und Service immer wieder mal mit neuen Kollegen aus.

 

Gibt es für Sie 3 Schwerpunktthemen, die unsere Branche in den nächsten Jahren dominieren werden?

  1. Hygiene
  2. Servicequalität
  3. Fachkräftemangel

 

Welche längerfristigen Trends können sie im Tagungsbereich feststellen und wie reagieren Sie darauf?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich denke, dass es wieder lange dauern wird bis die klassische Tagung zurück kommt. Falls überhaupt. Eher wird das digitale miteinander kommunizieren wichtiger wie je zuvor. Dafür müssen wir jetzt die Weichen legen. 

 

Mit welchen investiven Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?

Wir müssen noch mehr in unsere Mitarbeiter und Digitalisierung investieren.

 

 

Sie dürfen einen Kollegen/ Marktpartner loben:

Alle Kollegen, die auch während dieser schlimmen Zeit mit einem Lächeln durchs Leben gehen. 

 

Was ist Ihr Lebensmotto/Ihr Wahlspruch?

Der am meisten verschwendete Tag im Leben ist der, an dem wir nicht gelacht haben.

 

Verraten Sie uns Ihre größte Schwäche und Ihre größte Stärke?

Ich bin ein Bauchmensch und entscheide oft aus dem Bauch heraus. Das ist für viele oft schwer zu verstehen. Das ist aber auch meine Stärke. Damit habe ich schon sehr viel erreicht. Eine andere Stärke ist, dass ich Menschen und Mitarbeiter immer mit meinem Herzen sehe und es mir damit gelingt an meinem Team anzudocken.

 

Welche Persönlichkeit hat Sie besonders beeindruckt und warum?

Das ist wohl eine sehr schwierige Frage. Eigentlich mein Vater. Er war ein Leben lang in der Gastronomie unterwegs und ist am letzten Tag seines Lebens noch in der Küche gestanden. Er hat mir gezeigt, dass ein Leben ohne Gastro nicht lebenswert ist. Seit dem frühen Tod meines Vaters mit meinem 18. Lebensjahr gab es keine großen Vorbilder. In den letzten Jahren hat mich allerdings Papst Franziskus sehr berührt und mich in vielen persönlichen Momenten erreicht.

 

Mit wem würden Sie gerne mal einen ganzen Tag lang tauschen und warum?

Mit niemanden. Ich liebe meinen Job und denke, dass ich darin perfekt bin.

 

Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen ganz besonders?

Ehrlichkeit, Tiefgang und Herzenswärme.

 

Die berühmte Fee erfüllt Ihnen drei Wünsche:

  1. Gesundheit für mich und meinen Mann.
  2. Meine Arbeit bis zur Rente machen zu können.
  3. Ein Leben in der Rente in unsrem Häuschen in Griechenland und eine Eselzucht beginnen. 

 

Was ist Ihr persönliches Lieblingshotel im Ausland?

Das war bis vor einigen Jahren als man noch reisen durfte das Tongsai Bay Hotel auf KoH Samui in Thailand.

 

Worauf sind Sie besonders stolz?

Immer alles das zu erreichen was ich mir vornehme.

 

Sie dürfen eine Zeitreise unternehmen – in welche Epoche, wohin und warum würden Sie reisen?

Ich würde gerne einen Tag mit König Ludwig dem 14. verbringen und mit ihm auf Schloss Versailles dinieren.

 

Mit wem würden Sie gerne mal kochen?

Da gibt es nur eine Antwort. Alfred Biolek. 

 

Welche „typische Unart“ ärgert Sie bei Geschäftspartnern in unserer Branche am meisten?

Oberflächlichkeit.

 

Herr Gerung-Schaden, vielen Dank für die ausführlichen Antworten, vielen Dank für das Gespräch!

 


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