Ein ausführliches Kontaktformular finden Sie hier.

Durch das Absenden Ihrer Daten willigen Sie ein, dass diese zum Zweck der Bearbeitung Ihres Anliegens verarbeitet werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Hygiene im Hotel – welcome im „new normal“

 

75 Hygiene Checks – ein Erfahrungsbericht

Vor Corona war Sauberkeit im Hotel nicht im besonderen Fokus von Travel Managern. Auf der Skala von relevanten Faktoren bei der Hotelauswahl rangierte dieses Thema ganz weit unten. Unterhält man sich jedoch mit Hotelgästen und Geschäftsreisenden, hört man regelmäßig folgende Vorbehalte:

  • Ich bade nie im Hotel und wenn, dann habe ich Scheuermilch und Sagrotan dabei und reinige die Wanne erstmal gründlich selbst
  • Toilettenbrillen, -deckel und WC-Bürsten sind Keimschleudern
  • Aus einem Glas im Hotelzimmer würde ich nie trinken, wer weiß mit welchem Lappen das gereinigt wurde
  • Teppiche in Hotelzimmern sind meistens widerlich, die betrete ich nie barfuß
  • Telefonhörer, Lichtschalter und Fernbedienungen gehören zu den ekeligen Dingen, ob die regelmäßig gereinigt werden?

Selbst Hoteldirektoren reihen sich bei solchen Aussagen und Vorbehalten ein!

Aber ist es denn so schlimm um die Reinlichkeit in Hotelzimmern bestellt? Bereits 75 Mal hat Certified in Hotels einen unangekündigten Hygiene Check durchgeführt. Dabei werden 55 Wischproben an besonders häufig angefassten Stellen genommen, aber auch Bereiche wie Personalumkleiden, Lager- und Kühlräume für Lebensmittel sowie Küchen untersucht.

Bei dem verwendeten Testverfahren stehen die Messergebnisse schon nach 10 Sekunden fest – je höher der Wert im Display des Auswertungsgerätes, desto höher ist der Verschmutzungsgrad. Ein angefeuchtetes steriles Q-Tip wird über den Testbereich gestrichen und kommt danach in eine Reagenzflüssigkeit. Dabei werden Keime, Bakterien und Verunreinigungen in Eiweiß aufgespalten und eine Lichtmessung liefert dann den entsprechenden Messwert.

Kritische, also hohe Werte gab es rund um den Abfluss von Duschen und Badewannen, an Fernbedienungen und Armlehnen der Schreibtischstühle.

Im öffentlichen Bereich sind Empfangstresen, Oberflächen der Restauranttische bzw. der Tischsets, Stuhllehnen und Salz- und Pfefferstreuer kritisch. Auch an den Kofferwagen werden regelmäßig hohe Werte festgestellt. Die öffentlichen Toiletten geben wiederum keinen Anlass zur Klage, hier werden nur selten hohe Werte erreicht.

 

Außen hui innen pfui

Anders beim Blick hinter die Kulissen, also in Bereiche zu denen ein Gast normalerweise keinen Zutritt erhält. Personalumkleiden, -sanitärräume und Mitarbeiterkantinen sind oft im Kellergeschoss untergebracht und selten in optisch ansprechendem Zustand. Häufig wird ausrangiertes Mobiliar zur Verfügung gestellt, oft fehlen Waschbecken oder man sieht zersprungene Kacheln. Türgriffe, Lichtschalter und Handläufe starren mitunter vor Dreck, hier sind hohe Messwerte keine Seltenheit.

Auch in den Hotelküchen gibt es kritische Bereiche: Mikrowellengriff, Herdschalter, Türgriffe von Kühlzellen, Griffe von Servierwagen, Regalböden – hier sind regelmäßig hohe Ergebnisse zu verzeichnen.

Je nachdem, wie gut die Ergebnisse bei der unangemeldeten Probennahme ausfallen, erhält das Haus einen Wiederholungsbesuch nach drei, sechs oder zwölf Monaten.

Natürlich ist der Vertreter von Certified am Besuchstag kein willkommener Gast! Meistens passt es gerade nicht und der Küchenchef ist im Urlaub, die Hausdame krank, der Direktor nicht im Haus… Dennoch werden die Ergebnisse durch das Hotelpersonal ernst genommen und durch die Möglichkeit, kritische Stellen exemplarisch zu reinigen und mit einer erneuten Messung den Vorher-Nachher-Effekt zu erkennen, wurde schon einige Male ein positiver Aha-Moment bewirkt:

  • Frische Lappen oder Schwämme müssen benutzt werden
  • Die Reinigungsintervalle müssen verkürzt werden
  • Desinfektionsmittel müssen zunächst einwirken
  • Erst reinigen, dann desinfizieren

In der Küche gibt es einen besonderen Kniff: die Köche verwenden meistens ein Kochhandtuch (Touchon), welches an der Schürze befestigt ist. Damit wischen sie sich die Finger ab, verwenden es als Topflappen oder trockenen auch mal eine Arbeitsfläche. Unsere Messungen haben ergeben, dass diese Touchons wahre Keimschleudern sein können, ein gereinigter Mikrowellengriff mit Ausgangswert 317 wies nach einmaliger Benutzung dann einen Wert von 13.628 auf. Die tolerierbare Obergrenze liegt bei 10.000. Fazit: Küchenhandtücher müssen stündlich gewechselt werden oder durch Papiertücher ersetzt werden.

Schon bei Wiederholungsbesuchen (nach 3 oder 6 Monaten) konnten Verbesserungen beobachtet werden. Die Personalbereiche wirkten insgesamt ordentlicher und sauberer, offensichtlich haben sich die Reinigungszyklen nach unseren Besuchen verbessert.

Aber einen Wermuthstropfen gibt es: Die zu intensive Verwendung von Desinfektionsmitteln hat Schäden an Material und Mobiliar hinterlassen. Die Mittel sind offenbar zu scharf, wurden eventuell nicht richtig dosiert oder sind schlichtweg zu oft angewandt worden. Nun müssen teilweise Griffe und Tischoberflächen erneuert werden, Lacke und Versiegelungen neu aufgetragen werden. Die pandemiebedingte Zunahme in der Verwendung von Desinfektionsmitteln wird von ärztlicher Sicht durchaus kritisch gesehen: wer weiß, welche Folgeschäden auch gesundheitlicher Art ausgelöst werden? Von der Zunahme von Allergien hin zu Atemwegserkrankungen beim Reinigungspersonal.

 

Reinigen ist das A und O – nicht Desinfizieren!

Es geht, so der Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Dr. Thomas Menn aus Berlin, nicht darum, eine klinisch reine Umgebung im Hotel zu schaffen. Das ist zwar wichtig für Labore, im Operationssaal oder bei der Lebensmittelerzeugung. Aber im normalen Alltag ist es wichtig, einer gewissen Keimzahl ausgesetzt zu sein, damit sich das Immunsystem aufbaut und stärkt! Immer und überall mit Desinfektionstüchern zu hantieren sei deshalb absolut übertrieben. Lieber regelmäßig die Hände waschen und eine Husten- und Niesetikette einhalten – darauf setzt Dr. Menn.

 

Fazit: Küchenhygiene erhöhen

Wenn in den letzten Monaten die Reinigungsmaßnahmen in den Hotels allenorten erhöht und intensiviert wurden, so kann man dies im Rahmen unserer Tests bestätigen. Man darf jedoch gespannt sein, wie sich der allgemeine Fachkräftemangel -auch in der Reinigungsbranche- auswirken wird. Wenn vermehrt ungelernte Kräfte eingesetzt werden, um überhaupt dem Arbeitsaufkommen einigermaßen gerecht zu werden, wird sich weisen, ob das auf die Gründlichkeit und Qualität geht.

In der Küche sind es jedoch die Köche selbst, die für die Sauberkeit verantwortlich sind. Hier muss noch ein Umdenken in Sachen Küchenhygiene stattfinden. Das Tragen von Einweghandschuhen nützt wenig, wenn man sich auch damit nicht regelmäßig die Hände wäscht. Und ein dreckiges Küchenhandtuch oder eine entsprechend verschmutzte Kochschürze sollte schnellstens der Vergangenheit angehören! Schwämme und Lappen gehören täglich gewechselt – hier ist Sparsamkeit kein guter Lehrmeister!

Das Bewertungssystem von Certified ist -wie bei den anderen Zertifikaten auch- sehr anspruchsvoll. Den Hygiene Check absolvierten die 75 Hotels bisher so:

26 erhielten die Urkunde für 12 Monate ausgestellt

31 erhielten eine Urkunde mit 6 Monaten Laufzeit

18 Hotels erhielten statt einer Urkunde bereits nach 3 Monaten einen erneuten Besuch, weil sie beim ersten Versuch durchgefallen sind.

 


Unser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Sie möchten gerne über weitere spannende Themen informiert werden?

Abonnieren Sie unseren Newsletter