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Trends und Mode-Erscheinungen im Meinungsbild von Hoteliers

 Erfahrene Hoteliers diskutieren im Dolce Bad Nauheim aktuelle Trends in der Hotellerie. Und stellen dabei fest, dass die Lösung der klassischen Alltagsprobleme immer noch hohe Priorität genießt. Und so mancher Trend vielleicht doch nicht viel mehr als eine Mode-Erscheinung ist.

Die Hotellerie steht offenbar vor permanentem Innovationsdruck. Zumindest, wenn man der „veröffentlichten Meinung“ glauben darf. Beim Fraunhofer-Institut ist seit zwei Jahren das Innovationsnetzwerk „Future Hotel“ angesiedelt. Konkrete Ergebnisse aus der Forschung sind beispielsweise die folgenden umsetzungsfähigen Konzepte und Lösungen: Individuelle, spezifische Hotelzimmerauswahl des Gastes wie bei der Sitzplatz-Reservierung im Flugzeug, Konzepte zur zeitlich flexiblen Hotelzimmerbuchung sowie automatisierte Check-in- und Checkout-Prozesse mit variablem Anteil an Mitarbeitereinsatz. 

Weiterhin technisch vernetzte, personalisierbare Hotelzimmer im Sinne von Smart Environments und Lösungen für innovative Bad- und Wellnessbereiche.  Als ganz wichtige und vor allem mit relativ wenig Aufwand erzielbare Trend-Variante kann man demnach auch die synergetische Kombination von Coworking Space und Hotel betrachten. Das Projekt Future Hotels beschäftigt sich aber auch mit eher exotischen Dingen wie dem schwingenden Bett Sway und Robotern, die im Zimmer aus der Minibar direkt an Bett servieren. Auch mit der intelligenten Türzarge CASE PLUS, in die High Tech-Multifunktionssäulen integriert sind.

Neben den komplexen Problemen in der Vermarktung gibt es also reichlich Gesprächsstoff, wenn man einen Praxisabgleich mit den behaupteten Trends vornehmen möchte.

Das unabhängige Prüfinstitut CERTIFIED hatte zum ersten zwanglosen Dinner-Talk ins Bad Nauheimer Dolce Hotel geladen, wo ein gut gelaunter Gastgeber Harald Hock sich und seinen Kollegen ein paar Themen-Bälle servieren ließ. Und wo seine Küche mit einem feinen Dreigänge- Menü gekonnt demonstrierte, was in der guten Hotellerie immer noch wichtiger ist, als die Umsetzung der letzten technischen Finesse: Gute Küche!

 

 

Das Menü:

Gebratene Jakobsmuschel mit Boulliabaisse-Salz

Tatar von Avocado und Mango mit Vanille-Tomate

 Tranche vom rosa gebratenen Grainfeed Rinderfilet mit Portwein-Jus, grünem Spargel und getrüffeltem Kartoffelpürrée

Dessertvariation

 

 

Die Teilnehmer:

Gastgeber Harald Hock, GM Dolce Hotel Bad Nauheim

Peter Bierwirth, Bierwirth & Kluth

Mike Neuhaus, Privathotelier aus Heidelberg

Sören Mölter, GM Dorint Hotel Oberursel

Till Runte, Geschäftsführer Certified

Hans Jürgen Heinrich, Inhaber MICE Consulting

 

Ein Gespräch über Trends beginnt man sinnvollerweise mit einer Betrachtung von Häusern, die als besonders „trendy“ gelten. Bierwirth und Kluth ist Berater und Betreiber zugleich und damit besonders glaubwürdig, was die Beurteilung der Praktikabilität von Trends in der Hotellerie angeht.

Gründungsgesellschafter Peter Bierwirth beschreibt daher zum Einstieg stellvertretend für den Typus „Hotels für junge Zielgruppen“ seine Erfahrungen mit Moxy, denn Bierwirth & Kluth betreibt derzeit zwei Häuser dieses Marriott-Brands. Die junge Marke steht für Boutique-Hotel Style zu erschwinglichen Preisen und einer neuen, jungen Interpretation von Luxus. Was genau ist darunter zu verstehen, was macht Moxy anders?

Peter Bierwirth & Jürgen Heinrich  

Peter Bierwirth: „Das Interessante bei Marriott ist, dass die Marke Moxy nicht in den USA entwickelt wurde, sondern nach europäischen Standards, aber in Amerika schließlich „veramerikanisiert“ wurde. Ursprünglich hatte man die klassische Zielgruppe zwischen 18 und 38 ziemlich stringent ins Auge gefasst und die „Instagrambility“ sollte die erste Geige spielen.

Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.  Was begann mit „unkonventionell, frech, jung, keine Rezeption, man checkt an der Bar ein, nimmt gleichzeitig einen Drink, alle duzen sich“ musste am Ende doch in gewisser Weise den Marriott-Standards weichen – bis hin zum Reward-System. Das Interessante ist nun, dass die Moxys nicht nur die jungen Zielgruppen haben, sondern auch die sogenannten Silver Agers, die sagen:  Das ist schick, das gefällt mir.

Die alte Weisheit: Junge gehen nicht gerne dorthin, wo nur Alte sind aber Alte gerne dorthin, wo auch Junge sind, die bewahrheitet sich hier. So hat sich die „Stilgruppe“ total verändert. Je nach Mikro-Markt haben wir die gleichen Leute in einem Moxy wie sonst in einem Courtyard oder in einem anderen Hotel des 3-4 Sterne-Segments. So, wie es uns Motel One vorgemacht hat. Im Grunde ist ja auch das Moxy-Konzept ein Hybride zwischen Motel One und Citizen M.

Mindestens ein Dutzend weiterer Ketten sind mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen. Wobei Moxy natürlich den großen Vorteil hat, dass es über das Marriott-System mit über 7.000 Hotels weltweit ein Reservoir von Adressen und Referenzen hat, das andernorts so nicht gegeben ist. Organisatoren großer Veranstaltungen - insbesondere Amerikaner- legen Wert darauf, sicher zu wohnen. Sie wollen die Sicherheit der großen Marke haben.

Da kann ein deutsches Hotel wie beispielsweise Ruby – die natürlich auch hervorragend sind! - schwer mithalten. Trotzdem: Wenn das Konzept gut durchgespielt wird, an der richtigen Stelle liegt und den richtigen Preis hat, ist der Erfolg kaum zu verhindern.“

 

Mike Neuhaus schaltet sich ein mit einer Frage zum ungewöhnlichen Recruiting-Modell.

Er empfand es auch als spannenden Ansatz, Mitarbeiter zu beschäftigen, die nicht direkt aus der Hotellerie und Gastronomie kommen, sondern eher typologische Talente mitbringen, die sich weiter entwickeln lassen. Ihn interessiert, wie sich das in der Praxis bewährt hat.

 


Ungelernte Quereinsteiger sind keine Lösung

 

Peter Bierwirth erzählt, dass es in der Tat das Urkonzept von Moxy war, Leute zu rekrutieren unter der Bedingung, dass sie nie in der Hotellerie gearbeitet haben. Und so wurden durchaus mit Erfolg Fotografen, Schauspieler, Bar-Leute rekrutiert.

Peter Bierwirth: „Aber jetzt kommt die Wirklichkeit: In Deutschland gibt es Vorschriften und Gesetze. Man kann nicht irgendjemanden in Verantwortung stellen, der wenn es kritisch wird nicht weiß, wo es lang geht. Mittlerweile haben wir eine Kernmannschaft von Fachleuten und dazu nur einige „gentils amateurs“.

 

Mike Neuhaus. Das sah aber zunächst nach einem Erfolgskonzept aus, denn die Qualität der Bewerber aus der jungen Generation sinkt ja leider ständig….

 

Sören Mölter:  Einspruch: Ich gehöre auch zu der oft beklagten Generation und sehe das ganz anders. Es gibt durchaus gute Leute, sehr gute Leute in den Generationen Y und Z!

 

Harald Hock: Zugestanden. Aber: Früher waren vielleicht sechs von 10 gut, heute sind es gerade einmal 3 von 10. Die machen dann leider die Arbeit der anderen mit!

 

Wenn man mit Hoteliers spricht, dann ist man schneller beim Thema Personal, als einem lieb ist. Und so kristallisiert sich auch hier heraus, wo bei der Hotellerie der Schuh mit am stärksten drückt. Es wird allgemein beklagt, dass ein Beruf heute vielfach nur noch etwas ist, womit man Geld verdient. Was heute meistens fehle, sei die Liebe zum Beruf.

 

Neuhaus: „Und da auch meist nie genug. In Hotel und Gastronomie zahlt der Kunde eben einfach nicht den echten Preis, den die Dienstleistung wert ist. Daher schaffen wir es einfach nicht, unseren eigenen Ansprüchen an leistungsgerechte Bezahlung gerecht zu werden.

 Mike Neuhaus & Peter Bierwirth


 

Die Arbeitshaltung entwickelt sich zum Problem

 

Peter Bierwirth: „In Österreich und der Schweiz hat man da andere Traditionen. Aber auch dort erkenne ich schon einen beginnenden Wandel. Und noch etwas: „Weil der Kunde den Preis nicht bezahlt“ – Warum soll er denn? Solange ich als Kunde etwas günstiger bekomme für die gleiche Leistung, die ich brauche, ist für mich alles in Ordnung. Und wenn auf der anderen Seite Hotelimmobilien gebaut werden ohne Aussicht auf Markt-Notwendigkeiten, sondern nur, damit das Geld einen sicheren Hafen hat - und eine sexy Hotel-Immobile ist nun einmal etwas anderes ein Supermarkt in Miami! - , dann habe ich die Konkurrenz, die es allen ermöglicht, günstiger zu kaufen. Solange dieser Kreisverkehr nicht geschlossen wird, können wir nicht erwarten, dass die Gäste die Servicequalität honorieren, die wir ihnen anbieten. Siehe Moxy, Motel one, Ruby – da ist überall hohe Qualität am Start ohne old fashioned features, die keinen mehr interessieren. Wellness, Sauna – auch das wird immer noch teuer gebaut und keiner nutzt es. Das braucht man alles nicht.“

 

Harald Hock meint dazu, dass auch er lernen musste, im Zweifel eben nicht alle Gäste abholen zu können und sich auch nur schwer aus dem alten Denken befreien kann, dass man alles haben muss und im Idealfall niemals nein sagen darf.

 

Mike Neuhaus: „Aber noch einmal zurück zum Thema Personal und hier insbesondere Nachwuchs-Sorgen. Wenn ich früher eine Bewerbung mit vielen Schreibfehlern gleich aussortiert habe, dann gucke ich heute schon mal rein. Nächstes Jahr werde ich dann vielleicht schon zum Vorstellungsgespräch einladen. Übernächstes Jahr stelle ich ihn wohl ein.“

 

Als weniger problematisch wird das Thema Ausbildung betrachtet. Das eigentliche Problem sei die Arbeitshaltung.  Daraus resultiert ein weiteres Phänomen: Man müsse sich oft weniger Gedanken machen, ob man ein Geschäft bekomme, sondern ob man es überhaupt bewältigen könne. Führungspersonal aufzubauen oder zu gewinnen, sei das geringere Problem. Da gebe es ambitionierte Leute, meint Sören Mölter. Aber Line Staff, Hände, das sei schwer zu bekommen.

 

 Peter Bierwirth: „Die Mitarbeiter entwickeln sich relativ schnell. Aber plötzlich wird aus dem Mitarbeiter ein Vorgesetzter im Alter von 23, 24 Jahren. Dann wird es schwer.

Wir haben keine Vorarbeiter mehr am Bau, wir haben keine Oberkellner mehr, wir haben keine Chefs de Reception mehr, die sich diesen Titel mal erarbeitet haben.

Wenn es auf der unteren Ebene mal nicht so klappt wie es klappen sollte, wo gehen die dann hin? Nun, zum Hoteldirektor und der muss dann plötzlich jedes Problem lösen. Irgendwann platzt dem die Birne!“

 

Sören Mölter: Klar, die brauchen Coaching. Aber für mich ist es schwieriger, überhaupt gute Leute zu finden, als aus jungen Abteilungsleitern gute Abteilungsleiter zu machen.

 

Peter Bierwirth räumt ein, dass das richtig ist. Er stellt aber auch klar, dass Erfahrung in gewissem Umfang unabdingbar ist, um echte Qualität auf die Straße bringen zu können. Dazu gehöre Erfahrung in vielen Hotels und in vielen Funktionen. Heute sei aber leider die lokale Bindung extrem bei vielen jungen Leuten, die versuchen in dem Haus Karriere zu machen, das vor ihrer Haustüre liegt. Bierwirth: „Und dann wird eben der ehemalige Kollege plötzlich zum Vorgesetzten. Das ist nicht einfach!“

 

Mike Neuhaus: „Wir müssen auch endlich einmal mit der Industrie in Konkurrenz treten können, um gute Leute zu bekommen. Leider geht es meist andersrum: Bei mir in der Rhein-Neckar-Region werden überall Hände ringend Leute gesucht und da nimmt man sehr gerne Hotelmitarbeiter, weil man genau weiß: die sind super ausgebildet, haben Kontakte, können sich benehmen. Alles, was viele im Elternhaus nicht mehr mitbekommen. Das alles bringen wir unseren Leuten bei und dann bekommen sie ein Angebot und sind weg.“

  Sören Mölter & Harald Hock

 


Trend oder Mode-Erscheinung: Coworking-Spaces

Till Runte und Hans Jürgen Heinrich spielen den Ball „Coworking-Space“ in die Runde. Hotel-Lobbies eignen sich sicherlich für ein bis zwei Stunden zum Coworken. Allerdings erwartet die Zielgruppe manchmal mehr, als nur einen Platz und ein unattraktives Business-Center mit mäßig funktionierenden Druckern und PCs.

Gut gemachte Coworking Spaces bieten zudem eine Chance Kunden zu binden. Die Schani Hotels in Wien setzen das beispielhaft um und sind auch Partner des Fraunhofer Instituts in Sachen Future Hotel. Das wirkt dort fast wie ein Stück Wiederbelebung der alten Kaffeehaus-Tradition, wo sich immer schon Literaten und Künstler zu Arbeit und Austausch trafen.

Coworking Spaces in einem Hotel anzubieten bedeutet aber, nicht einfach nur einen Tisch bereitzustellen, sondern Zugang zu Drucker und Internet sind ebenso wichtig, wie eine entsprechende Umgebung. Vielleicht sogar mit Kaffeeküche oder einer Rezeption mit einem festen Team, an das sich die Coworker bei Fragen oder Schwierigkeiten wenden können und über die der Space auch gebucht werden kann. 

Frage in die Runde: Kann mit dem Trend Coworking Spaces in intelligenter Interpretation eine neue Form von Customer Satisfaction begründet und vielleicht sogar ein kleines Profitcenter etabliert werden?

 

Peter Bierwirth: Meinen Sie MODE oder TREND? Mode ist kurzlebig, Trend langfristig.

Ich befürchte, es ist Mode. Wenn wir als Hoteliers jede Mode-Erscheinung sofort umsetzen, dann haben wir häufig gegenüber Spezialisten das Nachsehen und sind sozusagen zweiter Sieger. Dann haben Sie hoch investiert und keine Rendite. Das erinnert mich ein wenig an die Wellness-Trends, wo jeder dachte, er müsse jetzt im Keller oder in leerstehenden Garagen noch einen Wellness-Bereich machen. Irgendwann ist es immer nur halb gar und funktioniert nicht wirklich.“

 

Till Runte: „Es gibt aber Häuser, die machen das erfolgreich. Die haben dann aber auch einen Community Manager, der den Coworking Space professionell führt und: Sie betreiben strukturiertes Marketing…“

 

Mike Neuhaus: Ich kann mir eher vorstellen, dass ich so etwas baue und gegen eine vernünftige Pacht outsource. Wir sind eben nicht die Spezialisten für Coworking Space.

Der beste Platz für Coworking in einem Hotel ist immer noch die Bar, um es ganz vorsichtig zu sagen.

 

Hans Jürgen Heinrich: „Aber das ist ja der Ansatz, eben nicht eine seelenlose Umgebung anzubieten, sondern eine kommunikative Peripherie zu liefern und gleichzeitig ein komplexes Hospitality Servicepaket. Vielleicht lässt sich daraus ein Franchise-Modell ableiten?

 

Mike Neuhaus: Das könnte mein Ansatz sein.

Bei accenture funktioniert das, weil es professionell betrieben wird.

Ich habe dennoch die Befürchtung, dass wir die Modeerscheinung mitmachen und am Ende schlecht performen, weil uns Zeit, Know How und Personal fehlen.

 

Peter Bierwirth: Als Kette können Sie das in extenso ohnehin gar nicht machen. Dann müssen Sie es nämlich überall ausrollen und da fängt es dann an, schwierig zu werden.

 

Sören Mölter: Die Frage ist doch auch: Habe ich lagetechnisch überhaupt das Potential, um ein professionelles Coworking-Center intern und extern auszulasten? Und weiter: Ziehe ich die ganzen kleinen Start Ups bei mir ins Haus rein? Was bringt mir das? It´s not big money at all…

Mike Neuhaus: Würde eine Firma aus der Nachbarschaft entsprechende Flächen nachfragen und sie bei mir einrichten– why not?

Harald Hock: Ich finde, darum wird ein zu großer Hype veranstaltet.

Peter Bierwirth: Aber nicht von denen, die es bezahlen müssen!

 

Mike Neuhaus: Ich bin mit Leib und Seele F & B- Mann. Zu Accor-Zeiten habe ich landauf landab identische Weinkarten erlebt. Die Zeiten sind gottlob vorbei. Als Privathotelier kann ich individuell und regional operieren. Das muss und kann uns unterscheiden. Wenn ich der Meinung bin, Coworking Space ist super, dann würde ich das sofort umsetzen. Schlussendlich: Ich würde es nicht abtun. Aber man muss genau hinschauen.  Und vor allem: erst einmal abwarten. Was man vor 15 Jahren im Zeitgeist der Design-Orientierung alles raus gerissen hat, wird heute wieder eingebaut, weil eine neue Sehnsucht nach Gemütlichkeit usw. da ist. Und ein abgelebtes Design-Hotel ist das schlimmste, was es gibt. So ändern sich eben die Zeiten.

 Harald Hock: Viele Gäste wollen auch abends nicht mehr arbeiten, sondern das Hotel genießen. Das Wichtigste für die ist ein schnelles und überall verfügbares W LAN-Netz.

 

Fazit in der Runde: Mach lieber das was Du kannst hervorragend und lasse die Peripherie andere machen!

 


Digitalisierung – wie weit kann sie gehen?

 

Hans Jürgen Heinrich und Till Runte gegen das nächste Thema vor. Alle Welt redet über Digital Check In per App. Viele sagen: Dem steht die deutsche Gesetzgebung gegenüber, die immer noch den handschriftlichen Meldeschein verlangt. Wie kann die Nuss geknackt werden und soll sie überhaupt geknackt werden?

Dann: Das Internet of Things ist einer der großen Hotel Trends 2019. Die Verbindung von Alltagsobjekten wie Licht, Heizung und Fernseher mit dem Internet sorgt für ein neues Gasterlebnis. Hotelgäste können die Geräte ganz einfach nach ihrem Belieben steuern. Digitale Gästemappen machen beispielsweise in Verbindung mit intelligenter Raumsteuerung aus einem Hotel ein smartes Hotel. Mit Hilfe des Tablets können Heizung reguliert, Jalousien gesteuert und Licht an- und ausgeschaltet werden. Mit der Cloud verbunden, können sogar Präferenzen des Gastes für seinen nächsten Aufenthalt gespeichert werden. Ist das alles notwendig?

 

Peter Bierwirth erinnert sich an einen alten Lehrsatz eines Marketingmannes von Accor: “Don´t give me personal service if it´s not fast, friendly and efficient!”

Bierwirth weiter: „Ein 400 Zimmer-Hotel mit 2 Mitarbeitern an der Rezeption hat beim digitalen Check in und Check out eigentlich keine Wahl. Mit den richtigen Systemen funktioniert das auch konform zum deutschen Meldegesetz. Das wissen nicht alle! Abgesehen davon: Wir bekommen doch Mitarbeiter nur noch mit Schwierigkeiten und bis wir sie ausgebildet haben vergeht noch einmal viel Zeit.  Daher: Alles was ich automatisch machen kann, ist besser, als einen unqualifizierten Mitarbeiter einsetzen müssen.“

 

Sören Mölter: „Das hängt aber durchaus von der Hotelkategorie ab. In einem Fünfsterne-Haus erwartet der Gast immer noch, dass er persönlich abgeholt wird. Vor allem erwartet er aber Mitarbeiter mit spürbarer Empathie und keine zu Floskel herunter rasselnden, trainierten menschlichen Check-In Automaten.

Leere Floskeln wie „Hatten Sie eine gute Anreise?“ braucht kein Mensch.

Platitüden langweilen die Gäste. Für Glaubhaftigkeit braucht man die Typologie Mensch. Schulen lässt sich das schwer. Was bei den meisten Schulungen raus kommt, ist wieder nur ein neues Tonband. Ansonsten bin ich komplett bei Ihnen.“

 

Bierwirth: „Aber seien wir mal ehrlich: Wenn ich nach einem langen Flug gestresst, geschwitzt und übermüdet ankomme, dann möchte ich doch nicht unten an der Rezeption aufgehalten werden und Sekt oder was auch immer trinken müssen. Ich möchte schlicht und einfach auf mein Zimmer. Auch im Luxushotel. Es gibt keine allgemeinen Wahrheiten, sondern nur bedarfsgerechte Konfigurationen.“

 

Neuhaus: „Ideal ist eigentlich, beides anzubieten. Dem anspruchsvollen Leisure-Gast, der Zeit hat, das eine, dem eiligen Business Gast das andere.“

 

Harald Hock: „Ich habe, seit ich hier bin, einen GM-Cocktail eingeführt.  Jeden Freitagabend um 17 Uhr.  Zwischen 30 und 50 Gäste kommen immer. Danach mache ich eine Hausführung. Erstaunlich ist der Altersmix:  1/3, 1/3, 1/3.

Vieles geht durch alle Generationen durch und ist längst nicht so generationenabhängig, wie man immer glauben machen will. So ist da auch beim Digitalen und beim Persönlichen.

Hoteliers müssen am Ende des Tages wieder Gastgeber und Entertainer sein.
Leider sind sie aber weg vom Gast und hängen über Excel-Listen und Korrespondenz. Und eines ist sowieso klar: Ein guter GM darf nicht in Work Life Balance-Kategorien denken. Der GM muss einfach wieder stärker am Gast sein, die Marke sichtbar machen. Der GM ist immer der Bannerträger seiner Marke.“

 

Sören Mölter: „Das ist schon alles recht widersprüchlich. Alle sagen immer, wir wollen alles vereinfachen, digitalisieren. Dann aber heißt es wieder: Der Gast möchte den Direktor sehen…..“

 

Mike Neuhaus: „Büroarbeiten bestimmen leider ¾ meines Arbeitstages. Dazu gehört auch die Arbeit in Bewertungsportalen, der Umgang mit Kritik. Ich halte das auch für Chefsache. Das kann man nicht delegieren, egal wie hoch die administrative Belastung ist.“

 

Peter Bierwirth:

„Lassen Sie uns mal über einen echten Trend sprechen und nicht über Mode: Der klassische Tagungsraum und der klassische Tagungsstil sind aktuell nicht mehr gefragt!

Neue Meeting-Formate sind da und das Interaktive lebt. Räume werden nicht mehr im Sinne von Tisch-Stuhl gestaltet, sondern in Form von variablen Lebens- und Arbeitsumgebungen.

In einem Haus mit 200 Zimmern krempeln wir derzeit etwa 20 Tagungsräume um – das wird uns alleine etwa 3 Millionen Euro kosten. Dazu gehören Mini-Pantries, wo individuelle Verpflegung spontan möglich ist.“

 

Harald Hock: „Was wir auch merken: Der Trend geht raus ins Grüne. Da haben wir natürlich mit unserem Riesengrundstück große Vorteile. Warum soll ich auch im Sommer im klimatisierten Tagungsraum sitzen, wenn ich alternativ im Grünen arbeiten kann!“

Jürgen Heinrich & Sören Mölter 

 


Die alte Frage muss gestellt werden: Cui Bono?

 

Peter Bierwirth: „Der Gast bleibt im Durchschnitt 1,4- 1,5 Nächte.  Da will er vorher keine Pilotenlizenz gemacht haben müssen, um sein Hotelzimmer zu verstehen. Will der Gast wirklich alles, was möglich ist? Lohnt sich das für die paar Gäste, die das wollen?“

 

Mike Neuhaus: „Wer zuhause seinen Lichtschalter normal bedient, der will das auch im Hotel nicht anders. Es gibt Gimmicks, die begeistern, aber das tun sie in der Regel nur einmal. Sie vereinfachen nicht unbedingt das Leben eines Hotelgastes.“

 

Harald Hock: „Und auch nicht unser Leben: Übertechnisiere ich mein Haus, dann fehlt mir nachher die personelle Peripherie dafür! Wir sind eben keine Techniker und Trendpiloten, sondern Hoteliers.“

 

Peter Bierwirth: „Gerade wenn komplizierte Investitionen im Altbestand realisiert werden müssen, dann ist das eine knallharte Frage von Kosten/Nutzen. Und: Was machen wir denn, wenn´s nicht klappt? Dann haben wir Personalprobleme.

Je mehr Elektronik wir nämlich irgendwo hineinpacken um so sicherer ist: Irgendwann funktioniert´s mal nicht. Hinzu kommt die Komplexität der Datensicherheit. Denken Sie nur an den Alexa-Hype. Wir müssen uns einfach hüten vor DIGITALISMUS und stringent nur das machen, was wir überblicken und was notwendig ist. Das aber dann bitte exzellent.“

 

Harald Hock: „Man muss sich immer die alte Frage stellen: Cui Bono – Wem nützt es? Digitalisierung ist zweifelsfrei nur immer gut für die, denen es wirtschaftlich nützt.“

 

Sören Mölter: Ich bin auch zurückhaltend. Ich muss zwar Vieles aus Wettbewerbsgründen realisieren, aber für mich persönlich gilt immer noch per Schalter oder bestenfalls Panel: An-aus, Klima-Anlage, Vorhänge, Fernseher. Ende. Und das sage ich als Vertreter der Generation Y!


 

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